Yokoten nach Rakuten Art

Yokoten – heißt: Teilen der besten Beispiele in Produktion und Service – und ist verwandt mit der japanischen Kaizen Methode – Veränderungen zum Besseren.

Frei nach Yokoten will der Gründer des japanischen Ichiba Rakuten Hiroshi Mikitani sein Erfolgskonzept exportieren.
Yokoten nach Rakuten Art
Die dazu notwendigen Veränderungen werden jetzt auch – nach und nach – in Deutschland umgesetzt und als „Neuausrichtung“ verkauft.

Schönes Neues Rakuten: JapanBrasilienDeutschlanddie Weltu.v.a.m.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich kein Freund dieser Entwicklung bin; m.E. werden die Eigenarten regionaler Märkte zu wenig berücksichtigt,  und es werden Chancen vertan, die sich aus einer Diversifikation ergeben.

Aber jeder sollte sich sein eigenes Urteil bilden.

Einen sehr guten Einblick in die Rakuten-Strategie hat Herr Mikitani in dieser 46-minütigen Videopräsentation (englisch) vom 6. Nov. 2012 gegeben: Fiscal Year 2012 Third Quarter Financial Results

46 Minuten, die sich lohnen. Und eine 97-seitige PDF-Präsentation können Sie ebenfalls von der Seite laden.

In Kurzform heißt diese Strategie:

1. Enhancing Rakuten ecosystem with Kobo’s rapid growth in the early stage of digital content market

2. Focusing on business model transformation into Ichiba-style marketplace model …

3. Expanding logistics services both for users and merchants worldwide …

Die Diskussion um Strategie und Neuausrichtung kann man führen.

Rakuten lässt im Händler-Forum auch sehr kritische Wortmeldungen zu, ohne zu löschen – dafür: Hut ab!

Mich irritiert allerdings, wie die Diskussion seitens Rakuten Deutschland geführt wird. Auf die – m.E. berechtigten – Kritiken der Händler wird nicht eingegangen; stattdessen wird ständig wiederholt, wie gut doch alles ist …

Verwundert lese ich dann zwei Zahlen: 9% und 14%, die nicht-hinterfragt durch Online-Medien geistern. – Wo bleibt da der kritische Journalismus?

So zuletzt in der Pressemitteilung vom 5.12.2012 unter der Überschrift „Neue Funktionen bei Rakuten bescheren Händlern bessere Konversionsraten und höheren Umsatz“

Wir lesen weiter:

„Schon mehr als ein Viertel aller Händler nutzt Rakuten Connect und profitiert von Steigerung der Konversionsrate um vierzehn Prozent“.

Laut Sternchen-Text werden seit dem 1. Oktober die Konversationsraten von Händlern mit und ohne „Rakuten Connect“ verglichen.

Die Zahlen werden dann von dem Online-Magazin Channelpartner aufgegriffen.

Bildunterschrift: „Rakuten-Chefin Beate Rank setzt auf die Überzeugungskraft positiver Zahlen“.

Mit Rakuten Connect hätten die Händler eine um 14% höhere Konversationsrate und einen um 9% höheren durchschnittlichen Warenkorbwert. Frau Rank – Geschäftsführerin der Rakuten Deutschland GmbH – lässt sich wie folgt zitieren:

„Eine durchschnittlich vierzehnprozentige Steigerung der Konversionsrate in nur neun Wochen bei den Händlern, die Rakuten Connect bereits integriert haben, spricht für sich.“

Ganz toll: und auf welchen Wert ist die sagenhafte 14% Steigerung bezogen? … und ich habe einen um 9% höheren Warenkorbwert … 9% von was?

Selten habe ich soviel Blödsinn in einem einzigen Text gelesen.

Ich erwarte hieb- und stichfeste Fakten und nicht solch ein „Wischiwaschi“.

Warum hinterfragt niemand diese Zahlen? Hallo liebe (Fach-)Medien und E-Commerce-Blogger …

[Nachtrag 10.12.2012: ich habe per E-Mail nachgefragt bei Head of Public Relations Herrn Peter Meyenburg]

Worauf beziehen sich die Angaben? Was ist die Basis? Welche sonstigen Maßnahmen wurden ergriffen, die die Konversationrate positiv oder negativ beeinflussen? … viele Fragen bleiben offen.

Nein, für sich alleine genommen sind das keine Zahlen, die überzeugen; ganz im Gegenteil …

Nächster Punkt:

„Schon mehr als ein Viertel aller Händler nutzt  Rakuten Connect …“

Nur 25%? Und was ist mit den anderen 75%? Sind mehr als 4500 Händler zu blöd, um den Vorteil zu erkennen? Was ist mit den Händlern, die nach einer Testphase Rakuten Connect aus guten Gründen wieder entfernt haben?

Auch hier: Fragen über Fragen! – Aber keine überzeugenden Anworten!

Frau Rank:

„Nach anfänglichem Zögern reagieren unsere Händler zunehmend positiv auf die Änderungen.“

Die Aussage lasse ich so stehen, auch wenn die Wortmeldungen im Händler-Forum mich zu einer gegenteiligen Einschätzung gelangen lassen … aber warten wir die weitere Entwicklung ab.

Allen Lesern wünsche ich ein schönes Wochenende
Rainer Helmes

Veröffentlicht von

Rainer Helmes

Ich bin Diplom-Ingenieur Elektrotechnik, Wertanalytiker nach DIN 69910 mit VDI-Zertifikat und ausgebildeter H.D.I.®-Trainer. Seit 2006 bin ich persönlich haftender Gesellschafter der MiFoMM OHG, Kreuztal.

6 Gedanken zu „Yokoten nach Rakuten Art“

  1. Als Autor des oben verlinkten ChannelPartner-Beitrags möchte ich die Aussage, wir hätten die Darstellung von Rakuten.de „aufgegriffen“ etwas geraderücken: In dem Beitrag werden die von Frau Rank gelieferten Zahlen und qualitativen Behauptungen eindeutig mit Verweis auf Rakuten.de wiedergegeben. Ebenso wird in den Artikel darauf hingewiesen, dass es Händler gibt, die mit den von Rakuten eingeführten Änderungen unzufrieden sind. Damit dürften wir der für eine kurze News-Meldung üblichen Sorgfaltspflicht voll und ganz entsprochen haben.

    Bleibt noch die Frage nach der Relevanz der Meldung: Diese ist m.E. deshalb gegeben, weil Rakuten.de mit der zugrundeliegenden Pressemitteilung die Stärkung der Marke/Plattform begründet. Das mag für Händler, die Rakuten.de/Tradoria bisher nur als Shopsystem benutzen, zwar eine ambivalente Entwicklung sein. Doch in Summe halte ich den Grundsatz, wonach eine starke Plattform auch den angeschlossenen Händlern nutzt, absolut für richtig.

  2. Sehr geehrter Herr Hell,

    vielen Dank für Ihre Anmerkungen.

    Ich wollte Sie keineswegs persönlich angreifen oder Ihnen gar „eine Verletzung Ihrer Sorgfaltspflicht“ unterstellen.

    Sollte das so rübergekommen sein, bitte ich Sie um Entschuldigung.

    Was mich allerdings stört – und dazu stehe ich – ist, dass – nicht nur in Ihrem Artikel – nichtssagende Zahlen und Steigerungsraten ohne Bezugsgrößen unkommentiert stehenbleiben.

    Für mich ist Fakt, dass die Neuausrichtung bei Rakuten einen Bruch mit der von Tradoria verfolgten Strategie bedeutet.

    Für mich ist Fakt, dass die Pressemitteilung wenig Konkretes bietet. Oder was ist von einer Aussage wie „Eine durchschnittlich vierzehnprozentige Steigerung der Konversionsrate in nur neun Wochen bei den Händlern, die Rakuten Connect bereits integriert haben, spricht für sich.“ zu halten?

    Vielleicht können Sie, als Fachmann, mir erklären, welche Aussagekraft der folgende Satz als Einleitung einer PM hat:

    „Eine um vierzehn Prozent höhere Konversionsrate und ein um neun Prozent höherer Warenkorbwert*: Das sind die aktuellen durchschnittlichen Ergebnisse der Rakuten Fachhändler, die das neue Rakuten Connect bereits integriert haben.“

    Muss man da nicht hellhörig werden und erst einmal nachfragen …

    Mit freundlichen Grüßen
    Rainer Helmes

  3. Hallo Herr Helmes, natürlich sind die beschriebenen Steigerungsraten im Vergleich zu den Rakuten-Händlern ohne Connect zu verstehen. Oder als Vergleichswert zu den Monaten vor der Connect-Einführung? Darin dass die angegebenen Zahlen nicht allzu große Aussagekraft haben, dürften wir uns einig sein.

    Relevant finde ich die Rakuten-Mitteilung aber deshalb, weil sich daraus ein Zwischenstand bei der Umsetzung der Neuerungen herauslesen lässt: Beim „Zwangs-Login“ hat man nachgebessert, an der generellen Neuausrichtung hält man fest und versucht das mit den bekannten Zahlen zu belegen. Um diese Information ging es mir in dem Beitrag.

  4. Herr Hell,

    ich stimme Ihnen voll zu.

    Rakuten wird den eingeschlagenen Weg nicht mehr ändern, das hat Herr Mikitani mehr als deutlich gemacht. Stichwort: „Focusing on business model transformation into Ichiba-style marketplace model …“

    Die Strategie wird nicht mehr in Deutschland bestimmt, aber auch bei der Umsetzung macht die Geschäftsführung von Rakuten Deutschland m.E. keine besonders gute Figur.

    Es ist so, wie Sie oben schreiben, man „versucht“, und das ist bei weitem nicht ausreichend …

  5. Während allerdings bei Amazon.de die Provisionsgebühren pro Bestellung vom Status des Händlers abhängig sind, variieren sie bei Hitmeister je nach Artikelgruppe zwischen 5,9 und 12,5 Prozent vom Verkaufspreis. Für Produkte mit niedriger Marge fallen entsprechend weniger Provisionen an: 8,5 Prozent etwa für Parfüm, 5,9 Prozent für Elektronik. Für Bücher, die ja meist niedrigpreisig sind, entfällt bei Buchung der Fixgebühren-Flatrate (29,95 Euro pro Monat) das Fixum von 0,70 Euro pro verkauftem Artikel. Ab einem Umsatz von 5.000 Euro im Monat wird der Händler automatisch Starverkäufer und spart Provisionen in den Medien-Kategorien. Dafür muss der Laden dann aber schon ganz gut laufen.

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