Mal persönlich: von Rakuten Deutschland bin ich schwer enttäuscht

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Eine Woche nach meiner Nachfrage

Keine Antwort ist auch eine Antwort … und sehr schlechter Stil.

Wir waren seit Gründung von Tradoria als Geschäftspartner dabei …

Wer jetzt zwischen den Zeilen eine gewisse Verärgerung herausliest, der liest richtig.

Wobei ich anmerken muss, dass diese „Nicht-Antwort“ nur ein Tropfen ist, der dann aber das Fass zum überlaufen bringt.

Schade Tradoria!

Rainer Helmes

Adidas will neue E-Commerce Richtlinie durchsetzen

Unter der Überschrift Adidas legt Ebay und Amazon trocken lesen wir im wallstreetjournal.de:

„Mit dem Jahreswechsel setzt Adidas europaweit eine neue E-Commerce-Richtlinie durch. Auch über Neuerungen in den Verkaufs- und Lieferbedingungen will Adidas seine Vertriebspartner daran hindern, Produkte über Handelsplattformen wie Ebay und Amazon zu verkaufen.“

Und eine Adidas-Sprecherin lässt sich dort wie folgt zitieren:

„Offene Marktplätze, dazu zählen Amazon und Ebay, kommen nach dem Jahreswechsel nicht mehr in Frage. Wir wollen unsere Marke schützen.“

Kann Adidas diese „neue E-Commerce Richtlinie“ durchsetzen? – evtl. sogar gegen Amazon? Oder ist diese Strategie zum Scheitern verurteilt? Sehr schwer einzuschätzen …

Dies soll hier aber nicht die Frage sein, denn es geht um mehr:

  • Hersteller treten zunehmend via Direktvertrieb in direkten Wettbewerb zu ihren Wiederverkäufern
  • Großhändler werden dank ihrer Handelsmarken zu „Herstellern“.
  • Zwischenhändler, die weder über Alleinvertretungsrechte noch über eigene Handelsmarken verfügen, haben es zunehmend schwerer, ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln.

Es geht um den ewigen Streit: Herstellermarke vs. Handelsmarke.

Der Großhandel sieht sich als Bindeglied zwischen Hersteller und Verbraucher, allerdings will der Verbraucher heute in vielen Fällen lieber direkt mit dem Hersteller kommunizieren.

Und viele Hersteller reagieren auf diesen Wunsch und nutzen die neuen Medien, um ihre Marke zu transportieren; der Schritt zum Direktvertrieb ist dann nicht mehr weit.

Weitere Aufgaben des Großhandels sind die Eröffnung neuer Absatzmärkte sowie die Lager- und Versandlogistik. Beides bietet Amazon nun auch hier in Deutschland an mit Webstore + Verkaufen bei Amazon + Versand durch Amazon. Für Markeninhaber m.E. eine denkenswerte Alternative.

Adidas hat nun mit dieser neuen E-Commerce-Richtlinie einen Stein ins Rollen gebracht, der eine Lawine auslösen kann, die das Zeug hat, eine ganze Branche von den Füßen auf den Kopf zu stellen.

Der Zwischenhandel muss seine Rolle neu definieren. Immer mehr Hersteller werden den Portalverkauf von unliebsamen Wettbewerben mehr oder weniger offen verhindern oder zumindest deutlich erschweren.

Die großen Herausforderung für (Marken-)Hersteller sind, das Preisniveau stabil zu halten – dem Wert der Marke entsprechend  (was auch immer das heißen mag), Dumpingpreise und den Absturz der Marke auf Ramschniveau zu verhindern und gleichzeitig möglichst viele Vertriebskanäle zu bedienen. Das erinnert dann schonmal an die Quadratur des Kreises.

Leidtragende dabei sind u.a. Online-Händler mit sehr kleinem Lager, die immer häufiger die „kleinen Nadelstiche“ der Hersteller zu spüren bekommen, wie z.B.:

  • keine Belieferung, da „Ware kurzfristig ausgegangen und neu produziert werden muss“.
  • plötzliche Sortimentsänderungen, ohne die Händler zu informieren.
  • Direktvertrieb über eigene Webseite mit Sonderaktionen und Preisnachlässen für Verbraucher, die unter den Verkaufspreisen liegen, die die Hersteller den Händlern empfehlen, und um deren Einhaltung sie mehr oder weniger nachdrücklich bitten.

„Die neue Richtlinie schürt die Furcht mancher Einzelhändler, noch weiter an die Seitenlinie gedrängt zu werden.“

M.E. nicht zu Unrecht.

„Manch skeptischer Händler befürchtet bereits einen Graumarkt, der zu Lasten der vertragskonformen Vertriebspartner geht. „Es wird weiter Händler geben, die Markenprodukte auf Ebay und Amazon anbieten“, sagt Erik Hahn, der neben seinem Schuhladen in Weimar auch den Versandhandel Shoebedo betreibt. Er selbst hält sich an die Vorgaben von Nike – und verkauft seitdem rund 80 Prozent weniger Nike-Schuhe online. Sein eigener Online-Shop ist klein, eher unbekannt und arbeitsaufwendig. Ihm fehle jetzt die Reichweite, für die Amazon und Ebay gesorgt hätten.“

Fazit: Der Vorstoß von Adidas zeigt, dass der ewige Wettstreit „Herstellermarke vs. Handelsmarke“ in eine neue Runde geht. Ausgang offen.

Rainer Helmes

Nachgefragt bei Peter Meyenburg – Head of Public Relations – Rakuten Deutschland

Sehr geehrter Herr Meyenburg,

diese Nachfrage veröffentliche ich in unserem „Marken Online“ Blog, da ich davon ausgehe, dass sowohl Ihre Pressemitteilung als auch Ihre Antwort für viele Händler – nicht nur für Rakuten-Händler – von großem Interesse ist.

Sie stellen in Ihrer Pressemitteilung vom 5.12.2012 zwei Zahlen heraus: nämlich dass Ihre Händler, die Rakuten Connect einsetzen, eine „um vierzehn Prozent höhere Konversionsrate“ und einen „um neun Prozent höheren Warenkorbwert“  haben.

Diese Zahlen alleine genommen sagen mir relativ wenig. Wie muss ich mir das vorstellen? Was sind die Bezugsgrößen?

Um diese Zahlen einordnen zu können, interessieren mich auch die durchschnittliche Konversationsrate aller Händler – mit und ohne Connect-Leiste – sowie dann zum Vergleich gegenüber gestellt: a) die durchschnittliche Konversationsrate aller Händler mit Rakuten Connect und b) die durchschnittliche Konversationsrate aller Händler ohne Rakuten Connect sowie die diesbzgl. Änderungen während der Vergleichsperiode ab dem 1.10.2012.

Haben Sie nach dem 1.10.2012 weitere Maßnahmen ergriffen, die die Konversationsrate beeinflussen?

Gibt es Zahlen, wieviele Händler Rakuten Connect getestet haben und diese Connect-Leiste anschließend – aus welchen Gründen auch immer – wieder entfernt haben?

Für Ihre Mühe danke ich im Voraus.

Wenn Sie mir per Mail, Brief oder Fax antworten, gehe ich davon aus, dass Ihre Antwort zur Veröffentlichung freigegeben ist.

Mit freundlichen Grüßen
Rainer Helmes

Yokoten nach Rakuten Art

Yokoten – heißt: Teilen der besten Beispiele in Produktion und Service – und ist verwandt mit der japanischen Kaizen Methode – Veränderungen zum Besseren.

Frei nach Yokoten will der Gründer des japanischen Ichiba Rakuten Hiroshi Mikitani sein Erfolgskonzept exportieren.
Yokoten nach Rakuten Art
Die dazu notwendigen Veränderungen werden jetzt auch – nach und nach – in Deutschland umgesetzt und als „Neuausrichtung“ verkauft.

Schönes Neues Rakuten: JapanBrasilienDeutschlanddie Weltu.v.a.m.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich kein Freund dieser Entwicklung bin; m.E. werden die Eigenarten regionaler Märkte zu wenig berücksichtigt,  und es werden Chancen vertan, die sich aus einer Diversifikation ergeben.

Aber jeder sollte sich sein eigenes Urteil bilden.

Einen sehr guten Einblick in die Rakuten-Strategie hat Herr Mikitani in dieser 46-minütigen Videopräsentation (englisch) vom 6. Nov. 2012 gegeben: Fiscal Year 2012 Third Quarter Financial Results

46 Minuten, die sich lohnen. Und eine 97-seitige PDF-Präsentation können Sie ebenfalls von der Seite laden.

In Kurzform heißt diese Strategie:

1. Enhancing Rakuten ecosystem with Kobo’s rapid growth in the early stage of digital content market

2. Focusing on business model transformation into Ichiba-style marketplace model …

3. Expanding logistics services both for users and merchants worldwide …

Die Diskussion um Strategie und Neuausrichtung kann man führen.

Rakuten lässt im Händler-Forum auch sehr kritische Wortmeldungen zu, ohne zu löschen – dafür: Hut ab!

Mich irritiert allerdings, wie die Diskussion seitens Rakuten Deutschland geführt wird. Auf die – m.E. berechtigten – Kritiken der Händler wird nicht eingegangen; stattdessen wird ständig wiederholt, wie gut doch alles ist …

Verwundert lese ich dann zwei Zahlen: 9% und 14%, die nicht-hinterfragt durch Online-Medien geistern. – Wo bleibt da der kritische Journalismus?

So zuletzt in der Pressemitteilung vom 5.12.2012 unter der Überschrift „Neue Funktionen bei Rakuten bescheren Händlern bessere Konversionsraten und höheren Umsatz“

Wir lesen weiter:

„Schon mehr als ein Viertel aller Händler nutzt Rakuten Connect und profitiert von Steigerung der Konversionsrate um vierzehn Prozent“.

Laut Sternchen-Text werden seit dem 1. Oktober die Konversationsraten von Händlern mit und ohne „Rakuten Connect“ verglichen.

Die Zahlen werden dann von dem Online-Magazin Channelpartner aufgegriffen.

Bildunterschrift: „Rakuten-Chefin Beate Rank setzt auf die Überzeugungskraft positiver Zahlen“.

Mit Rakuten Connect hätten die Händler eine um 14% höhere Konversationsrate und einen um 9% höheren durchschnittlichen Warenkorbwert. Frau Rank – Geschäftsführerin der Rakuten Deutschland GmbH – lässt sich wie folgt zitieren:

„Eine durchschnittlich vierzehnprozentige Steigerung der Konversionsrate in nur neun Wochen bei den Händlern, die Rakuten Connect bereits integriert haben, spricht für sich.“

Ganz toll: und auf welchen Wert ist die sagenhafte 14% Steigerung bezogen? … und ich habe einen um 9% höheren Warenkorbwert … 9% von was?

Selten habe ich soviel Blödsinn in einem einzigen Text gelesen.

Ich erwarte hieb- und stichfeste Fakten und nicht solch ein „Wischiwaschi“.

Warum hinterfragt niemand diese Zahlen? Hallo liebe (Fach-)Medien und E-Commerce-Blogger …

[Nachtrag 10.12.2012: ich habe per E-Mail nachgefragt bei Head of Public Relations Herrn Peter Meyenburg]

Worauf beziehen sich die Angaben? Was ist die Basis? Welche sonstigen Maßnahmen wurden ergriffen, die die Konversationrate positiv oder negativ beeinflussen? … viele Fragen bleiben offen.

Nein, für sich alleine genommen sind das keine Zahlen, die überzeugen; ganz im Gegenteil …

Nächster Punkt:

„Schon mehr als ein Viertel aller Händler nutzt  Rakuten Connect …“

Nur 25%? Und was ist mit den anderen 75%? Sind mehr als 4500 Händler zu blöd, um den Vorteil zu erkennen? Was ist mit den Händlern, die nach einer Testphase Rakuten Connect aus guten Gründen wieder entfernt haben?

Auch hier: Fragen über Fragen! – Aber keine überzeugenden Anworten!

Frau Rank:

„Nach anfänglichem Zögern reagieren unsere Händler zunehmend positiv auf die Änderungen.“

Die Aussage lasse ich so stehen, auch wenn die Wortmeldungen im Händler-Forum mich zu einer gegenteiligen Einschätzung gelangen lassen … aber warten wir die weitere Entwicklung ab.

Allen Lesern wünsche ich ein schönes Wochenende
Rainer Helmes