Können Marktplätze den lokalen Handel retten?

Diese Überschrift habe ich von etailment geklaut

und ich möchte ergänzen:

Können Marktplätze den lokalen Handel und den Online Handel retten?

Aus meiner Sicht: ein klares Jein.

Nein, denn die derzeitigen Modelle belasten die kleinen Händler überproportional.

Ja, nur Marktplätze ermöglichen das wirtschaftliche Überleben kleinerer Anbieter – oder sagen wir für Marktplatz besser Kooperation von selbständigen Handelspartnern, die Backoffice-Prozesse via Internet und Schnittstellen-Software verbinden und somit die eigenen (Fix-)Kosten drastisch senken

[Einschub: als Backoffice bzw. Backoffice-Prozesse bezeichne ich solche Tätigkeiten und Abläufe, die nicht unmittelbar zum Kerngeschäft des Unternehmens zählen, aber dennoch maßgeblich zum Erfolg beitragen.]

Danke Klaus Janke für den interessanten Artikel und Hagen Fisbeck für den ausführlichen Kommentar, es wird höchste Zeit für die Diskussion.

Dass sich gerade vier Zeitungsverlage an Simply Local beteiligen, untermauert meine These, dass auch die Medien-Welt und der E-Commerce zusammenwachsen.

Fakt ist, dass viele kleine Händler – sowohl stationäre als auch reine Online-Händler – in irgendeiner Form kooperieren müssen, da sie alleine wirtschaftlich nicht überleben können.

Eine Shop-Seite ist schnell gebaut und online gestellt – aber damit alleine funktioniert der Online-Handel heute nicht mehr. Die Kosten für das Backoffice und das Marketing werden gerne unterschätzt. Auch funktioniert „Pure-Online“ nicht ohne ein stationäres Warenlager mit ausgeklügelter Logistik.

Das Streckengeschäft – oder Dropshipping – ist keine Alternative, denn es funktioniert in der Praxis eher nicht, da es i.d.R. keine klaren Absprachen bzw. keine verbindlichen Vereinbarungen mit Lieferanten und Herstellern gibt … (was passiert im Falle des Widerrufs mit der Ware?, Lieferanten halten zugesagte Lieferzeiten nicht ein, Lieferanten/Hersteller informieren nicht oder nicht rechtzeitig, wenn Produktreihen eingestellt bzw. geändert werden usw. usf. … als kleiner Online Händler haben wir da so einiges erlebt.)

Dennoch: Allein die Tatsache, dass immer mehr Marktplatz-Modelle entstehen, zeigt dass ein Bedarf besteht.

Etailment-Autor Klaus Janke fasst es so zusammen:

„Das Charmante an vielen Marktplatz-Modellen: Sie verbinden die E-Commerce- und die stationäre, statt sie gegeneinander auszuspielen.“

Richtig. Genau das muss das Ziel sein.

Denn so wie die Ketten die Tante-Emma-Läden verdrängt haben, verdrängen große „Pure Player“ die kleinen Online-Händler.

Es gibt bereits heute viele interessante Ideen und Kooperationsmodelle – vieles wird auch in dem gen. Artikel angesprochen. Man muss es nur machen. Vor diesem Schritt schrecken immer noch viele Hersteller und Händler zurück.

Die neun Kritikpunkte von Hagen Fisbeck kann ich alle gut nachvollziehen, und ich stimme diesen im Großen und Ganzen zu; allerdings darf das keine Ausrede für ein „Weiter so“ sein.
Im Gegenteil: es müssen Lösungen für die gen. Herausforderungen gesucht und gefunden werden …

Zu Punkt 1 des Kommentars: Dass die Digitalisierung nicht vor dem stationären Einzelhändler halt macht, ist ein offenes Geheimnis. Das kann man nun gut finden – oder auch beklagen: auch der stationäre Einzelhändler kommt nicht umhin, sich diesbezügliche Kompetenz zu erarbeiten oder einzukaufen, wenn er im Wettbewerb bestehen will.

Rainer Helmes

Steigt Amazon in den stationären (Einzel-)Handel ein?

Nun … ein Amazon-Sprecher hat bereits dementiert; und das, obwohl die Idee einen gewissen Charme versprüht.

Als ich gestern die Meldung gelesen habe, dachte ich sofort: „Ein sehr interessanter Ansatz – jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“

… etwa so – oder so ähnlich – wie Peter Höschl vom shopanbieter ausführt:

„Letztlich bestätigt Amazons Schritt lediglich meine schon lange aufgestellte These, dass die Zukunft des Onlinehandels auch im stationären Handel liegt. Möglichkeiten diese beiden Welten zu verbinden, gibt es zuhauf. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: Abholstationen verknüpft mit Live-Showrooms und Terminals oder Kooperationen mit dem stationären Einzelhandel bzw. der Eröffnung von eigenen Ladengeschäften. Warum nicht mit anderen Onlinehändlern gemeinsam?“

Aber wer weiß? Was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Und ja, auch Hersteller können sich angesprochen fühlen; wir alle sind aufgefordert, neue Kooperations- und Vertriebsmodelle zu entwickeln und umzusetzen.

Rainer Helmes