Können Marktplätze den lokalen Handel retten?

Diese Überschrift habe ich von etailment geklaut

und ich möchte ergänzen:

Können Marktplätze den lokalen Handel und den Online Handel retten?

Aus meiner Sicht: ein klares Jein.

Nein, denn die derzeitigen Modelle belasten die kleinen Händler überproportional.

Ja, nur Marktplätze ermöglichen das wirtschaftliche Überleben kleinerer Anbieter – oder sagen wir für Marktplatz besser Kooperation von selbständigen Handelspartnern, die Backoffice-Prozesse via Internet und Schnittstellen-Software verbinden und somit die eigenen (Fix-)Kosten drastisch senken

[Einschub: als Backoffice bzw. Backoffice-Prozesse bezeichne ich solche Tätigkeiten und Abläufe, die nicht unmittelbar zum Kerngeschäft des Unternehmens zählen, aber dennoch maßgeblich zum Erfolg beitragen.]

Danke Klaus Janke für den interessanten Artikel und Hagen Fisbeck für den ausführlichen Kommentar, es wird höchste Zeit für die Diskussion.

Dass sich gerade vier Zeitungsverlage an Simply Local beteiligen, untermauert meine These, dass auch die Medien-Welt und der E-Commerce zusammenwachsen.

Fakt ist, dass viele kleine Händler – sowohl stationäre als auch reine Online-Händler – in irgendeiner Form kooperieren müssen, da sie alleine wirtschaftlich nicht überleben können.

Eine Shop-Seite ist schnell gebaut und online gestellt – aber damit alleine funktioniert der Online-Handel heute nicht mehr. Die Kosten für das Backoffice und das Marketing werden gerne unterschätzt. Auch funktioniert „Pure-Online“ nicht ohne ein stationäres Warenlager mit ausgeklügelter Logistik.

Das Streckengeschäft – oder Dropshipping – ist keine Alternative, denn es funktioniert in der Praxis eher nicht, da es i.d.R. keine klaren Absprachen bzw. keine verbindlichen Vereinbarungen mit Lieferanten und Herstellern gibt … (was passiert im Falle des Widerrufs mit der Ware?, Lieferanten halten zugesagte Lieferzeiten nicht ein, Lieferanten/Hersteller informieren nicht oder nicht rechtzeitig, wenn Produktreihen eingestellt bzw. geändert werden usw. usf. … als kleiner Online Händler haben wir da so einiges erlebt.)

Dennoch: Allein die Tatsache, dass immer mehr Marktplatz-Modelle entstehen, zeigt dass ein Bedarf besteht.

Etailment-Autor Klaus Janke fasst es so zusammen:

„Das Charmante an vielen Marktplatz-Modellen: Sie verbinden die E-Commerce- und die stationäre, statt sie gegeneinander auszuspielen.“

Richtig. Genau das muss das Ziel sein.

Denn so wie die Ketten die Tante-Emma-Läden verdrängt haben, verdrängen große „Pure Player“ die kleinen Online-Händler.

Es gibt bereits heute viele interessante Ideen und Kooperationsmodelle – vieles wird auch in dem gen. Artikel angesprochen. Man muss es nur machen. Vor diesem Schritt schrecken immer noch viele Hersteller und Händler zurück.

Die neun Kritikpunkte von Hagen Fisbeck kann ich alle gut nachvollziehen, und ich stimme diesen im Großen und Ganzen zu; allerdings darf das keine Ausrede für ein „Weiter so“ sein.
Im Gegenteil: es müssen Lösungen für die gen. Herausforderungen gesucht und gefunden werden …

Zu Punkt 1 des Kommentars: Dass die Digitalisierung nicht vor dem stationären Einzelhändler halt macht, ist ein offenes Geheimnis. Das kann man nun gut finden – oder auch beklagen: auch der stationäre Einzelhändler kommt nicht umhin, sich diesbezügliche Kompetenz zu erarbeiten oder einzukaufen, wenn er im Wettbewerb bestehen will.

Rainer Helmes

Wird Bepado das neue Tradoria?

Das würde mich sehr freuen.

Nach meinen ersten Eindrücken aus der Test- und Betaphase kommt das Bepado-Konzept meinen Vorstellungen von einem erfolgversprechenden B2B2C-Marktplatz schon sehr nahe.

Wie sollte ein solcher Marktplatz aussehen? Ich zitiere mich hier mal selbst (aus Rausverkauf bei Domus Apart):

Business to Business to Consumer Marktplatz

Ich mache kein Hehl daraus, dass mir das „gute alte“ Tradoria-Modell vor der Übernahme durch Rakuten sehr gut gefallen hat.

Ein zeitgemäßes B2B2C-Marktplatzkonzept sollte:
  • unabhängige – völlig frei gestaltbare – Markenshops integrieren
  • Backoffice-Prozesse zusammenführen, z.B. Module für Zahlungsabwicklung, Logistik, Online Marketing mit Google Shopping und Adwords, …
Die finale Bepado-Version ist da:

Mit über 1.000 Händlern startet jetzt die finale Version des Online-Marktplatzes Bepado. Die Idee des reinen Händlernetzwerks wurde um eine Endkunden-Komponente erweitert und Bepado tritt jetzt mit dem Anspruch an, den dritten Platz im deutschen Marktplatz-Ranking zu erreichen […]“

Screenshot 16.05.2016

Screenshot 16.05.2014

Handel im Wandel – eine Branche im Umbruch

wie kürzlich versprochen, gehe ich hier noch etwas tiefer auf die bevorstehenden Verwerfungen in unserer Branche ein.

Ich hatte mich vor der Beantwortung der Frage

"Ist der Online-Handel, wo jeder gewohnt ist, für sich zu kämpfen, überhaupt schon bereit für eine aktive Vernetzung? Oder anders formuliert: Ist der Leidensdruck durch herkömmliche Marktplätze, durch Google und andere schon so groß, um sich für alternative Kooperationsmodelle zu begeistern?"

gedrückt und mit lapidarem Ja, aber … auf einen späteren Artikel verwiesen.

Die Antwort auf diese – rhetorische – Frage, die ganz geschickt Online-Händler, Einzelkämpfer und Leidensdruck miteinander verbindet, möchte ich in einer etwas ausführlicheren Form nachliefern.

Richtig ist sicher, dass viele – die meisten? – Online-Händler genauso wie viele der "stationären" Kollegen (siehe weiter unten zu Handelskette) von Hause aus Einzelkämpfer sind.

Und wie verhält es sich mit dem "Leidensdruck durch herkömmliche Marktplätze, durch Google …"? … ja, das ist eine sehr gute Frage!

Erfolgreiche Marktplatzteilnehmer bei eBay, Amazon & Co. beweisen, dass Gewinne möglich sind; die meisten Händler allerdings werden im besten Fall ihre Einsätze herausbekommen. Ich denke dabei immer an die Goldsucher vergangener Tage, naja, und am besten dürften die verdienen, die die Bars betreiben und die Schippen liefern …

Ja, ich denke, der Leidensdruck ist groß genug, um alternative Kooperationsmodelle zu versuchen.

M.E. stehen wir gerade am Anfang einer Konsolidierungswelle. Wir werden noch einige – vielleicht auch unerwartete – Kooperationen und Übernahmen sehen.

Allerdings stehen nicht nur Online-Händler vor großen Herausforderungen, dass die gesamte Branche vor großen Veränderungen steht, stellt heute niemand mehr in Abrede.

Und ich empfehle, dass wir die Trennung zwischen offline und online beenden, denn

Kein Business ohne Internet

Das Internet – als Infrastruktur und Basistechnologie – durchdringt alle Lebensbereiche … und wird auch ncht mehr verschwinden, mittlerweile eine Binsenweisheit, auch wenn offensichtlich noch nicht jeder die Konsequenzen voll erkannt und akzeptiert hat …, denn auch nach mehr als 20 Jahren ist das Internet für viele immer noch Neuland.

Allerdings ist Neuland insofern auch richtig, als das, was die Branche gerade erlebt, erst der Anfang einer großen Umverteilung ist.

Jochen Krisch verdeutlicht dieses anhand von Zahlen:

"Der Online-Handel hat dem (stationären) Handel in nur zwei Jahren 9 Mrd. Euro (in Worten: neun Milliarden Euro) abgenommen, also in etwa soviel wie in allen rund 15 E-Commerce-Jahren zuvor: […]"

Was heißt das nun für die Branche im Allgemeinen und den (stationären) Einzelhandel im Speziellen?

Betrachten wir zunächst die Handelskette als Ganzes, d.h. den Weg der Ware vom Hersteller über den Großhändler über einen oder mehrere weitere Zwischenhändler bis hin zum Verbraucher.

Von den in dieser Kette verbundenen Unternehmen müssen im Groben die folgenden Kernbereiche abgedeckt werden (wobei ich den gesamten online/offline Marketing-Bereich noch nicht berücksichtigt habe):

  • Design und Produktherstellung
  • Warenlagerung und Verteilung
  • Warenversand an den Verbraucher, Annahme von Retouren
  • Kundenservice, Produktberatung, Abwicklung von Retouren
  • Inkasso

Die Handelskette wird heute i.d.R. aus Einzelkämpfern gebildet.

Die Ware wechselt mehrmals den Besitzer bis sie schlussendlich zum Verbraucher gelangt.

Jedes beteiligte Unternehmen benötigt eine eigene Warenein- und -ausgangskontrolle sowie eine Qualitätsprüfung.

Und nicht nur das … Kooperationen bieten viele weitere Möglichkeiten zur Kostensenkung.

So nicht, oder?

Hersteller produziert in München und beliefert seinen Großhändler in Dresden, dieser beliefert einen Online-Händler in Bremen, dort bestellt ein Kunde aus München … (Orte beliebig austauschbar) …

In Beratersprech formuliert: hier steckt Optimierungspotenzial (in Form von Kooperationen).

Was sich leicht sagen bzw. auf dem Papier einfach darstellen lässt, ist in der Praxis kompliziert und sehr schwer umsetzbar, weil gewachsene Strukturen auf neue technologische Anforderungen und Herausforderungen stoßen!

Drastischer formuliert: vieles, was technisch machbar und vielleicht aus Sicht der Verbraucher auch wünschenswert wäre, scheitert am Widerstand der handelnden Personen und/oder z.T. auch an rechtlichen und sonstigen Rahmenbedingungen.

Und das oben beschriebene unnötige Verschieben der Ware bringt mich schnell zu einer zentralen Frage – nämlich nach der Produkt-Verfügbarkeit, denn der Verbraucher will – hat er sich erst einmal für ein Produkt entschieden – dieses sofort haben.

Damit stellt sich die Frage: wer baut ein eigenes Lager auf, und wer greift wann und wie auf ein Zentrallager zurück?

Darüber hinaus gibt es noch viele Fragen, die im Rahmen von Kooperationen zu klären sind … Fragen für noch viele weitere Artikel in diesem Blog.

Schauen wir uns aber zunächst die einzelnen Glieder der Handelskette an:

* Einzelhandel

Der Einzelhändler bildet die "Speerspitze" und ist direkter Ansprechpartner der Verbraucher; das war füher auch einmal gleichbedeutend mit einer räumliche Nähe (die Tante Emma von nebenan).

Diese räumliche Nähe ist heute nicht mehr nötig, vielfach auch nicht mehr gewünscht.

In einer global vernetzten Welt kann jeder direkt mit jedem kommunizieren; zumindest in der Theorie, aber es gibt auch Grenzen wie …

  • … Sprachbarrieren
  • … kulturelle Schranken
  • … konträre Wertvorstellungen

Doch dazu mehr, wenn wir uns über die Internationalisierung unterhalten.

Für unsere Tanta Emma heißt das, sie muss sich wieder stärker über ihre eigentliche Aufgabe als Ansprechpartner und "guter Geist" des Verbrauchers definieren; nur mit dem Unterschied, dass sich dieser Verbraucher nicht mehr in ihrer unmittelbaren räumlichen Nähe befindet.

Für die sogenannten Kistenschieber und reine Transaktionsgehilfen sehe ich keine Zukunft.

"Verkaufen Sie den Laden!"

* Großhandel

Der Großhändler "herkömmlicher Machart" ist Bindeglied zwischen dem Hersteller einerseites und den Einzelhändlern bzw. den gewerblichen Verbrauchern andererseits.

Er übernimmt die Lagerung und Verteilung der Ware und überbrückt auch Produktionsengpässe des Herstellers.

Interessant wird es, wenn der Großhändler quasi selbst zum Hersteller mutiert und Produkte unter eigenem Logo vertreibt; dann kommt es zu dem "alten" Wettstreit Handelsmarke vs. Herstellermarke

* Markenhersteller

Meine Einschätzung vorab: Der Hersteller hat in einer global vernetzten Welt die größten Chancen, verlorenes Terrain gegenüber dem (Groß)Handel zurückzugewinnen.

Aus guten Gründen vermeiden es viele Hersteller (noch), direkt an Verbraucher zu verkaufen; zumindest, wenn man den offiziellen Verlautbarungen Glauben schenken darf.

Der Hersteller möchte – solange es geht – sein bestehendes Vertriebsnetz aus Großhandel und Einzelhandel schützen. Das ist völlig in Ordnung und auch nachvollziehbar, allerdings m.E. nicht durchhaltbar, denn …

  • … wer kann besser zu den Produkten informieren, als der Hersteller selbst? …
  • … und wenn der Hersteller schon seine Produktpalette im Internet präsentiert, warum kann ich als Kunde nicht direkt auf dieser Seite bestellen? …
  • … von einer Hersteller-Webseite zu einem Hersteller-Shop ist es nur ein ganz kleiner Schritt.

Darüber hinaus gibt es weitere gute Gründe für den Hersteller, in den Direktvertrieb einzusteigen. Nur so kann der Hersteller z.B. verhindern, dass seine Marke verramscht wird; er behält die volle Kontrolle über die Preisgestaltung und verhindert die Verwässerung seiner Marke!

Horizontale und Vertikale Kooperationen

Ich bin überzeugt, die Handelskette wird sich neu sortieren…

In Zukunft werden (neue) Business-to-Business-to-Consumer-Modelle dominieren.

Die Technologie ist vorhanden, wenn auch nicht immer ausgereift, was ja auch ein Kennzeichen einer disruptiven Technologie ist … die (Weiter-)Entwicklung dürfte sehr schnell gehen.

Interessant sind Hersteller-Händler-Netzwerke, wie sie z.B. gaxsys ermöglicht, oder auch die "Commerce Suite" von TheBakery, um nur zwei Technologie-Ansätze zu nennen … und über Bepado hatte ich ja schon geschrieben. … es bleibt spannend.

Rainer Helmes

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Händler-Netzwerke für Kooperationen im E-Commerce

Mit dem Händler-Netzwerk Bepado („Be part of it“) steht das Thema „Kooperation“ wieder ganz oben auf der Agenda vieler Shopbetreiber … auf unserer sowieso – ja, wir haben Domus Apart ebenfalls für die Testphase eingetragen, denn neben der „Internationalisierung“ ist das Thema „Kooperationen im (e)Business“ zusätzlich auch noch zentraler Bestandteil unseres Beratungsangebotes.

plentymarkets und Shopware – die Pilotphase beginnt!

spannend …

Noch während der Veranstaltung verriet ein Shopware-Mitarbeiter, dass sich bereits mehr als 60 Händler für das Testprogramm angemeldet hätten. Nun, nur zwei Wochen nach der ersten Vorstellung, kann André Schultewolter, Projektmanager bei Shopware, die stolze Zahl von über 300 Anmeldungen vermelden.

Doch zunächst ein Blick zurück und dann nach vorne.

Das „Tradoria Modell“

2007 als Mietshop-Lösung gestartet, sollte ein Marktplatz für individuelle Shops entstehen, wobei die Eigenständigkeit der Händler im Vordergrund stand. Die Eigenständigkeit der Händlershops wird m.E. mit der Übernahme durch Rakuten zugunsten des Marktplatzkonzeptes a la Amazon aufgegeben.

Aus meiner Sicht ist der Ansatz der Tradoria-Mietshop-Lösung mit der Übernahme durch Rakuten gescheitert … was nicht heißen soll, dass das neue Konzept – zumindest aus der Perspektive von Rakuten – schlecht oder falsch ist, das steht hier nicht zur Diskussion.

Inwieweit die Strategie von Herrn Hiroshi Mikitani aufgeht, muss die Zukunft zeigen; wer zu den Gewinnern oder den Verlierern zählt, das will ich hier gar nicht diskutieren; und dass Rakuten Deutschand aus meiner Sicht nicht besonders geschickt agiert hat, steht auf einem ganz anderem Blatt

Sonstige gegen Amazon

Sehr interessant ist m.E. die Untersuchung und Einschätzung von Martin Groß-Albenhausen:

„[…] Aber dann ist mir die letzte Zeile unserer Befragungen aufgefallen. Wir lassen uns im Rahmen der Umfrage auch immer die Namen der Shops nennen, in denen der letzte Kauf stattgefunden hat. Dadurch können wir schöne und ausgesprochen detaillierte Hitlisten von Marktdurchdringungen einzelner Anbieter bis auf die Kategorie-Ebene abbilden.[…]“

und weiter

„[…]Die Sonstigen sind diejenigen Händler, die per se zu selten genannt werden, um noch auf der Liste aufzutauchen. In Summe aber ist heute das Vertrauen der Konsumenten so weit, dass auch kleinere Shops für mehr als jeden dritten Onlineeinkauf genannt werden. Das sind dann übrigens häufig Shops, bei denen unsere Prüfungen zeigen, dass sie auf Plattformen wie Rakuten laufen, aber tatsächlich als eigenständige Händler wahrgenommen werden.[…]“

„Im steilen Wachstum der „sonstigen“ Händler zeigt sich der Online-Gründerboom. Der Trend setzt sich 2013 weiter wachsend fort. Es ist der Longtail des E-Commerce.“

Der Longtail des E-Commerce

Belastbares Zahlenmaterial zum deutschen E-Commerce-Markt zu bekommen, ist nicht gerade einfach. Am sinnvollsten erscheint es mir da noch, eine Studie von 2010 zugrunde zu legen:

388.500 Unternehmen sind im deutschen E-Commerce aktiv

(press1) – 10. März 2010 – Insgesamt sind im deutschen Markt 388.500 Unternehmen im ECommerce-Umfeld aktiv. Dies ist das Ergebnis einer Hochrechnung, die die Redaktion des Wissensportals iBusiness.de in Zusammenarbeit mit den ECommerce-Experten Axel Gronen (Wortfilter.de), Peter Höschl (Shopanbieter.de) und Karsten Windfelder (100 Partnerprogramme) heute veröffentlicht hat.

Wie verteilen sich die Umsätze

Die EHI Studie listet die 1000 größten Shops.

Die Studie „E-Commerce-Markt Deutschland 2012“ basiert auf einer Analyse der 1.000 größten Onlineshops, die das Kölner EHI Retail Institute gemeinsam mit dem Hamburger Statistikunternehmen Statista im Sommer/Herbst 2012 nun schon zum vierten Mal durchgeführt hat. Die Studie listet die Händler anhand der erwirtschafteten Online-Umsätze im Jahr 2011.

Das gesamte Umsatzvolumen wird lt. Studie mit 25,4 Mrd. Euro beziffert. Davon generieren die 10 umsatzstärksten Händler alleine 32% – also mehr als 8 Mrd. Euro. 22,2 Mrd. Euro entfallen auf die 500 stärksten Händler. Bleiben rund 3,2 Mrd. Euro für die Shops ab 501. Quelle: etailment.de EHI E-Commerce-Ranking: Generalisten, Mode und Computer bewegen den Markt

Und wo bleibt da der Longtail?

Nach der von iBusiness.de durchgeführten Untersuchung (s.o.) können wir von über 150.000 Online-Shops und zusäzlich nocheinmal gut 100.000 eBay und Marktplatzhändlern ausgehen. Dieser Longtail taucht so gut wie in keiner Statistik auf. Die Umsätze der einzelnen Shops fallen durch jedes Raster und sind für sich genommen vernachlässigbar. Für die Summe gilt das aber bereits heute nicht mehr.

Nehmen wir die Zahlen des bvh für 2012. Das stärkste Wachstum erreichen die Internet-Pure-Player; sie legen im Vergleich zum Vorjahr um 40% zu.

Für Jochen Krisch von exciting commerce ist das der Dammbruch:

„Der Online-Handel hat dem (stationären) Handel in nur zwei Jahren 9 Mrd. Euro (in Worten: neun Milliarden Euro) abgenommen, also in etwa soviel wie in allen rund 15 E-Commerce-Jahren zuvor […] Noch nicht lange her, da hatten wir gefragt: Wann explodiert der deutsche E-Commerce-Markt? – Wenn die Zahlen nicht komplett trügen, ist das gerade der Knall.“

Da der Markt insgesamt gesättigt ist, ist der Handelsmarkt, über den wir hier sprechen, ein Verdrängungsmarkt. Und das heißt, dass die Steigerungen des Online-Umsatzes zu Lasten des übrigen Versandhandels und zu Lasten des stationären Handels gehen.

Wachstumstreiber E-Commerce

Wir nehmen die Wachstumsprognosen von Jochen Krisch und die o.g. EHI-Studie der 1.000 größten Shops und leiten daraus die Umsatzverteilung der nächsten Jahre ab.

Die größten Shops erhalten den größten Teil des Kuchens, daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, die führenden – Amazon und die Otto Gruppe – dürften weiterhin überproportional zulegen. Aber schon auf den folgenden Plätzen wird es richtig spannend …

Also sehr vereinfacht nach der Formel Pi mal Daumen: Um 3/4 des Wachstumskuchen streiten sich die Shops 1 bis 500 und um das letzte Viertel die restlichen 250.000 Shops und Marktplatzhändler – eben der vielfach genannte Longtail.

Und dieses „letzte Viertel“ kann gut und gerne mehr als fünf Milliarden EUR schwer sein. Hierzu zitiere ich noch einmal Jochen Krisch:

„Aus unserer Sicht ist der Online-Handel mit dem Jahr 2011 in eine neue (Wachstums-)Phase eingetreten […] Wir halten daher 20 bis 25 Mrd. Euro Online-Wachstum für die kommenden fünf Jahre für durchaus realistisch und werden unsere Markt- und Wachstumsprognosen für den Online-Handel entsprechend radikal anheben.“

Das heißt, es wird richtig spannend im Longtail. Interessant werden die vielen Anbieter und Shops, die noch niemand so wirklich auf dem Radar hat …

Viele dieser „Kleinst-Shops“ werden zum Nebenerwerb, als Agenturshops oder zu Testzwecken betrieben; dennoch stellt sich die Frage, welcher Shop ist wirtschaftlich überlebensfähig. Oder besser gefragt: wann ist solch ein Kleinshop eigenständig lebensfähig?

Die Verdrängung erfolgt i.d.R. über den Preis, so dass Umsatzrenditen von mehr als 5% eher seltene Ausnahmen für sehr spezialisierte Nischenshops sind.

Je nach Organisation und Unternehmensstruktur dürfte die Grenze für das wirtschaftliche Überleben bei einem Umsatz von +/- 120.000 EUR/Monat liegen. Das Gros der Kleinstshops liegt deutlich darunter.

Für die weitere Entwicklung und das Wachstum im E-Commerce sind für mich zwei Umsatztypen besonders interessant:

  • Shops mit einem Umsatz zwischen 20.000 EUR/Monat und 80.000 EUR/Monat
  • Shops mit einem Umsatz zwischen 150.000 EUR/Monat und 350.000 EUR/Monat

Hier erwarte ich eine Welle der Konsolidierung. Der „Leidensdruck“, neue Wege in der Kooperation zu gehen, wird massiv zunehmen.

Zusätzlich erwarte ich, dass horizontale Kooperationen entlang der Handelskette zugunsten von neuen vertikalen Kooperationen aufgegeben werden.

Wo liegen die spezifischen Herausforderungen?

Selbstredend und unabhängig von Vertriebskanal und Internet sind die grundsätzlichen Fragen zu klären zu:

  1. Produktpräsentation : Suchen und Finden
  2. Logistik
    • Bevoratung
    • Warenflüsse : Hat der Kunde sich für ein Produkt entschieden, will er dieses sofort
    • Retourenabwicklung
  3. Geldflüsse : Sichere Zahlung

Werden Kooperationen angestrebt, geht es um Fragen wie:

  • Hersteller-Marken vs. Handels-Marken
  • Streckengeschäft vs. eigene Lagerhaltung

Kooperationen via Marktplatz

Nochmal Martin Groß-Albenhausen:

„Unsere Quartalszahlen zeigen, dass von allen reinen Online-Umsätzen ein wesentlicher Teil auf „Plattformen“ entfällt“

Hierzu passt auch  die folgende Meldung:

Hitmeister präsentiert 75-prozentige Wachstumsrate

Ist der Handel schon reif … ?

"[…] bleibt die große Frage: Ist der Online-Handel, wo jeder gewohnt ist, für sich zu kämpfen, überhaupt schon bereit für eine aktive Vernetzung? Oder anders formuliert: Ist der Leidensdruck durch herkömmliche Marktplätze, durch Google und andere schon so groß, um sich für alternative Kooperationsmodelle zu begeistern?"

Beide Fragen beantworte ich mit einem klaren Ja, aber … … doch dazu mehr in den kommenden Artikeln.

Rainer Helmes

Zitierte und weiterführende Artikel (eine Auswahl nach Erscheinungsdatum sortiert):

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Domus Apart versteht sich als Dienstleister für Designer und Markenhersteller

… eine kleine Ergänzung zu der gestern veröffentlichten Suche nach Kooperationspartnern.

Lesen Sie in The Europe Blog:

Internationalisation – a great challenge for brands as well as for Domus Apart

Die Quintessenz:

Markenhersteller sollten die volle Kontrolle über Preisgestaltung, Produktbeschreibungen sowie das (Online-)Marketing behalten.

Als Full Service Provider unterstützen wir Designer und Markenhersteller, so dass diese vom guten Namen Domus Apart profitieren und die Marke zusätzlich über unsere Netzwerke bekannt wird.

Domus Apart – eine weitere Plattform im Internet – oder neue Wege der Kooperation?

Domus Apart – Eine Definition und der Versuch einer Einordnung; sozusagen eine Art Zwischenbilanz nach 6 Jahren Online-Handel …

Nach der etwas verfrühten und so nicht geplanten Trennung von Rakuten im letzten Jahr stehe ich nun dem ganzen „Marktplatz im Internet“-Komplex etwas zwiegespalten gegenüber..

Aber der Reihe nach:

Domus Apart ist 2006 online gegangen – als eigenständiger Shop sowie auf diversen Verkaufsplattformen und eben auch als Tradoria-Shop. Am ehesten hat uns damals das Konzept von Tradoria überzeugt, aber das ist Geschichte.

Gegenüber den diversen Marktplatz-Lösungen bietet ein in Eigenregie betriebener Shop alle Vorteile der vollen Gestaltungsfreiheit, aber …

diese Freiheit hat natürlich auch ihren Preis.

Eine der großen Herausforderungen ist, die Auffindbarkeit sicherzustellen, in einem gewaltigen Meer – das sich Internet nennt. Der hierzu notwendige Aufwand für Marketing und für die sog. SEO-Maßnahmen übersteigt sehr schnell das vorhandene Budget und frisst den Gewinn auf.

Aus meiner Sicht wird die Masse der kleinen autonomen Shops – dazu zählt auch unser Domus Apart Shop – in Zukunft bestenfalls ein (gutes) Zubrot liefern, aber niemals alleine das wirtschaftliche Überleben der Inhaber sichern.

Der Verkauf über eBay oder Marktplätze wie Amazon oder Rakuten ist eine Alternative – wenn auch nicht immer die lukrativste. Bzgl. Amazon kommt noch hinzu, dass es nahezu unmöglich ist, konform zu deutschen Gesetzen und Bestimmungen zu verkaufen und zu Rakuten möchte ich kein weiteres Wort verlieren.

Für die meisten kleinen Shops gilt also, sofern der Shop für mehr als nur ein Zubrot gut sein soll, dass die Inhaber irgendwann eine irgendwie geartete Kooperation eingehen müssen. Domus Apart ist so ein kleiner Shop – ich weiß also wovon ich schreibe.

Ich unterstreiche „eine irgendwie geartete Kooperation„, denn z.Z. entstehen viele neue Modelle, und viele weitere Modelle sind vorstellbar, die es so noch nicht gibt.

Wir suchen Kooperationen mit Händlern, Herstellern und Designern für den Aufbau einer Präsentationsplattform – mit angeschlossenem Verkauf  sowie angebundener Versandlogistik und Zahlungsabwicklung – für Designer-Produkte – im weitesten Sinne. Die Internationalisierung – sprich ein Angebot für den gesamten EURO-Raum – soll hierbei groß geschrieben werden; daher freuen wir uns auch auf Partner aus anderen Staaten.

Bei Interesse an einer Zusammenarbeit nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns auf Sie.

Rainer Helmes

PIN – Vorschaubild: Domus Apart sucht Kooperationsparter

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Steigt Amazon in den stationären (Einzel-)Handel ein?

Nun … ein Amazon-Sprecher hat bereits dementiert; und das, obwohl die Idee einen gewissen Charme versprüht.

Als ich gestern die Meldung gelesen habe, dachte ich sofort: „Ein sehr interessanter Ansatz – jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“

… etwa so – oder so ähnlich – wie Peter Höschl vom shopanbieter ausführt:

„Letztlich bestätigt Amazons Schritt lediglich meine schon lange aufgestellte These, dass die Zukunft des Onlinehandels auch im stationären Handel liegt. Möglichkeiten diese beiden Welten zu verbinden, gibt es zuhauf. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: Abholstationen verknüpft mit Live-Showrooms und Terminals oder Kooperationen mit dem stationären Einzelhandel bzw. der Eröffnung von eigenen Ladengeschäften. Warum nicht mit anderen Onlinehändlern gemeinsam?“

Aber wer weiß? Was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Und ja, auch Hersteller können sich angesprochen fühlen; wir alle sind aufgefordert, neue Kooperations- und Vertriebsmodelle zu entwickeln und umzusetzen.

Rainer Helmes